Waffenstillstand

Gattung: Politisches Gedicht

Textprobe

Die Wolken ziehn wie schwere Fahnen, grau,
als wüssten sie, was Menschen längst vergaßen —
dass jeder Krieg beginnt im trügerischem Blau,
das sich in grauer Asche hat verblasen.

Und dennoch: irgendwo ein Kind, das lacht,
ein Licht, das durch zerschossne Fenster fällt —
als hätte sich die Welt noch nicht bedacht,
ob sie sich lohnt, ob sie sich selbst noch hält.

Die Stille weiß es schon — und hält die Wacht,
als ob ein Atem zögert, nicht entweicht —
ob dies Erschöpfung ist, ob Hoffnung sacht
durch einen Riss im Dunkel weiter reicht.

Die Stille weiß. Sie wartet. Und gedeiht.
Noch ist es nicht zu spät. Noch ist es Zeit.

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