Der Schnee will dieses Jahr nicht schmelzen,
nur hier sticht einzeln schon ein Halm,
Wer wird den Stein vom leeren Grabe welzen,
Wer singt dem Gotte noch den Psalm?
Ewig und das selbe
Der Geist ein stolzer Adler in den Höhn,
auf Flügeln schwingt er durch das Licht der Zeiten.
Worte zünden, Völker brennen, sehn —
bis Priester kommen mit den Dunkelheiten.
Was Propheten träumten, rein und kühn,
was Hände formten, die es eng umfassen.
Drüber Tempel wachsen und erblühen —
und Gott, erschlagen, liegt in finstern Gassen.
So auch jedes große Menschenwort,
das Freiheit ruft — bis Blut die Plätze tränkt.
Was leuchtend stieg, sinkt tief und geht sofort
ins Dunkel, drin sich jeder Traum versenkt.
Saitensprung
Die Saiten – hart, in die der Gitarrist
die Finger schlägt, dass Funken sprühn nach oben —
Gott, der keine Grenzen kennt noch misst,
und Töne steigen wild ins All gehoben.
Rausch trägt durch die Nacht auf dunklen Schwingen
uns, dass Sterne fliehen ihre Bahnen.
Töne klingen, so wie Sphären singen —
Licht trinkt uns ins ungetreäumte Ahnen.
Kein Mensch erkennt
Es ragt und weiß von keinem Ruhm und schweigt
und atmet still, was unten glühend brennt.
Durch seine Schwärze Hitze steigt
ins Dasein, das kein Mensch ihm nennt.
Kein Dank, kein Blick, kein Wort das es begleitet,
birgt die Last, die keiner je benennt.
und hält verschlossen, was sich sonst verbreitet
und dient, und schweigt, - kein Mensch erkennt.
Dein Lächeln
Dein Lächeln leuchtet sanft im Abendschein,
ich folg' dem Glanz, der mich zu dir getragen.
Stilles Mondlicht sinkt so silbern rein,
bis tief in mir die hellen Flammen schlagen.
Politisches Gedicht
Love, Labour - lost
Am Anfang war ein Manifest!
Geschrieben stand´s an alle Völker:
Ein Gespenst geht um! - Hier in Europa!
Der Kapitalismus!
Und Signale hörten sie, die Völker, auch
Gefechte wurden als die letzten feil
versprochen. Menschenrecht auf rotem Grund
erkämpft — so hieß es, kettensprengend
damals eine erste, zweite, vierte
Internationale. Feurig, blutig
rot in eine Zukunft!
Lang ist das jetzt her - so lang. Äonen.
Und die Chroniken gefüllt mit Exegesen
bringen einiges Gewicht zur Waage.
Doch der Glut-kern ist erloschen. Asche.
Hinter einem Glassturz fein, verhext
zu musealem Kitsch gediehen.
Sinnentleert. Auch Manchem peinlich.
Vieles hat sich umgedreht seither,
verändert, abgespalten, wieder sich
vereinigt, Grenzen wurden ausgestrichen
neu gezogen, wieder überrannt.
Ja, das Papier wäre geduldig, doch
der Fortschritt war gewaltig. Weltgeist? Ob
zu Pferde oder auch mit Kettenspuren
über die kontinentale Platte,
eine herzlose Maschine, hat sich
aufgemacht mit These, Antithese. Und so weiter...
Doch die Reaktion hat nicht geschlafen!
Doppelstrategien, geheime Dienste,
Rüstung, Propaganda angeworfen,
um die feuerroten Sätze wieder
einzufangen.
Wo sind sie geblieben die Millionen
der Entrechteten, die jenes weiter trugen,
dafür starben, in den Reih´n des Widerstands,
des „Sich-Nicht-Fügen-Wollens“
in das Falsche, in den Stahlgewittern
der Geschichte? Angerührt und auch
geführt vom Klassenfeind
die arbeitende Jugend
als Kanonenfutter in die Schützengräben.
Berge von verwirrten Schriften
technisch und begrifflich zugerichtet.
Intellektuelle, Plädoyers,
Polemiken und wieder Manifeste produzierend
in den blutdurchströmten Tälern watend da.
Im großen Strom der Dialektik,
seinen Windungen und Dämmen folgend.
Unermesslich ist gelitten worden.
Und der Mensch hat sich gewandelt für das
Ziel der Weltgeschichte, das ein Buch
verhieß, in logisch glasklar deduzierten
Sätzen, gravitätisch auch, dass alles
„Stehende und Ständige verflüssigt
und verdampft“ zu werden, nicht die Wahl hat.
Sondern aus Notwendigkeit bedingt zur aller
letzten Umkehr sich verschlingend in
das Reich der Freiheit auflöst.
Gelesen wurde es von den Verzweifelten
und jenen, die nicht lesen konnten,
denen wurde es gestoßen und
verkündet in Vereinen, Gruppen,
universitären Instituten, Jugendclubs,
Genossenschaften.
Gleichheit und Gerechtigkeit!
Nie mehr Entfremdung!
Ja! Der Weg schien schier von der Geschichte
vorgeschrieben und verheißen.
Nein, nicht etwa nur orakelt.
Aufwärts! Vorwärts! In die Bresche!
Jetzt wird Krieg gemacht dem Feind der Klassen!
Einheit! Solidarität und notfalls: Diktatur.
Vereinigt Euch ihr Proletarier
und Knechte aller Länder!
Die geschichtliche Notwendigkeit ist hier
auf unsrer Seite und das Reich der Freiheit wartet!
Wo blieb dieser Geist? Verblasen,
in den Wind gerufen, ausgeleert und zugerichtet.
In reale Politik gegossen,
demokratisiert, zurechtgemacht
für Parlamente und Sozialversicherungen.
Für Reformen! Für die Löhne, Arbeitszeiten
Werkskantinen, Kindergärten, Alters- Unfalls-
Arbeitslosigkeit. Das kleine Glück.
Vielleicht ein Urlaub mit dem eigenen
Verbrennungsmotor?
Ja! Die Ausgebeuteten verwandelten
wie magisch sich: in Suchtkranke
des Waren-Fetisch.
Der Konsum ward Religion!
Und all die alten Götter wurden jetzt
zu Gunsten dieser Stimme,
welche aus Kristallpalästen schrillte
in das Ausgedinge abgeschoben.
War der Weg auch oft verschlungen
oder mühsam, führte er gefühlt doch
in die Höhe.
Und von seinen Widersprüchen
innerlich zerrissen, hätte der
Kapitalismus
längst sich selbst verdaut.
Man hätte nur in erster Reihe fußfrei
zuseh´n müssen…
Doch nun sprang der Staat ihm bei
und brachte ihn auf andre Bahnen,
zog ihm scheinbar seine schlimmsten Raubtierzähne
und verabreichte den Beutetieren Salbe.
Wachstum, Wohlstand und Konsum.
Gemeindebauten, das Kulturtheater.
Dieser wahrhaft christliche, soziale
Wagen ausgelieh´n von Jesus zog
in eine rote Sonne, die den neuen Morgen allen,
einschließlich den Gastarbeiter-innen
und den Einzelunternehmer-innen
und den so prekär Beschäftigten...
verhieß.
Man phantasierte dritte Wege, schloss
geheim kaum merkbar mit dem Geldstrom
Kompromisse, investierte in Privates.
Öffentliches wurde wieder an
den Meistbieter verkauft.
Sie sagten „ausgelagert“ freilich.
Schön! Und In den Köpfen wurden
Kreise zu Quadraten und so manch ein
gut genährter vormals Arbeitervertreter
streifte Luxusuhren über die
Gelenke sich.
Jaja…
Doch nun hat es sich aus-genossen und
wir stehen vor dem Grabe. Seht:
In tiefer Grube liegt das Hoffen
zugedeckt von Seiten angefaulten
Manifest-papier.
Und die Gespensterjäger aus der Frühzeit?
Auch hinabgesunken längst
auf feuchten Grund.
Dort leben sie im Untod.
Globaler Wind weht über Gruben
Und die Lebenden?
Die sitzen auf den harten Bänken der
geduldeten und auch verlachten
Parlamentsopposition.
Auf Stimmenfang im Schrebergarten aber,
ging der Populismus, der sich national
gerierte, „patri-idiotisch“ und
den Zugereisten Skepsis und Kritik
entgegenrief.
Man tat schockiert doch heimlich
tief im dunklen Grunde
arrangierte man sich wieder
mit den dämmernd aufgegang´nen Mächten.
Wer hat uns verraten? Wer?
Die Arbeiter und -Innen aber zuckten,
ob der unterirdischen Beziehung,
mit den Schultern. Denn die Überirdischen
die Götter aus Finanz, aus Waffen- Petro-
Pharmaindustrie
die alles angerichtet hatten, waren nicht verrottet.
Und sie wählten wieder rechts.
Ja wenn schon „Schmidt“! und nicht den Schmidl.
Ausgestattet von den Tech-Giganten
mit sozialen Medien und nicht Parteien
fielen sie ins Koma.
Keiner in den, von Designern
ausgestatteten Parteibüros
war fähig, diese Flucht nur zu begreifen
ganz zu schweigen Strategien dagegen
zu entwickeln.
Übergroß war die Verführung.
Und jetzt machte man erneut den Krieg.
Lies aus Laboren neue Viren
Mit dazugehörigen Prospekten, Masken
Sicherheitsdoktrinen.
Und man hetzte munter alle gegen alle.
schichtete derweil´n das Kapital von unten
wieder schön hinauf.
Und lies dem Staat die Schulden.
Und dann stellte man sich auf den Gasschlauch.
Rief: „Der böse Russe!“
und lies dann beim Endverbraucher
die gesalz´ne Rechnung für die teure Energie.
Dann gab es endlich wieder den realen Krieg.
Den dritten sogenannten Weltkrieg, welcher aber
ausgetragen wurde, nicht mehr von Nationen
Sondern vom Imperium.
Und gegen wen?
Na gegen uns. Uns alle.
Ein Gespenst geht um auf dieser Welt!
Wer schreibt dazu das Manifest?
Jüngere Zaubersprüche
Um wie viel schöner Schönheit uns doch glänzt
Um wie viel schöner Schönheit uns doch glänzt,
wenn sie der Wahrheit edle Zierde spendet.
Schön ist eine Rose, doch ergänzt
um ihren Duft, den lieblich sie versendet,
übertrifft sie alle rosengleichen
Blüten, die auch farbentief entzücken,
und der Büsche Dornenzweige schmücken.
Frühlinge über sie auch streichen.
Doch all die Schönheit ist bloß Schein.
Sie sterben ungepriesen und sich selbst allein.
Nicht so die Rose. Denn aus ihrem süßen
Tod hervor noch Rosen-Düfte grüßen.
Muss deine Schönheit auch dereinst vergehen,
bleibt zeitlos sie verdichtet durch mein Lied bestehen.
Einst schlief der kleine Liebesgott
Einst schlief der kleine Liebesgott, die Fackel
mit dem Herzensfeuer sank zur Seite
ihm, als mit Geschnatter und Gewackel
eine Schar von Nymphen im Geleite
kam vorbei. Und nahmen auf der Stelle
dem Besitzer die potente Waffe,
löschten sie in einer nahen Quelle,
die, erhöht so, Heilbad ward und schlaffe
Glieder zu ertüchtigen versprach.
Da musst ich hin – um nur danach
ernüchtert folgende Wahrheit zu begreifen:
Vom warmen Wasser einen Steifen
zu bekommen, funktioniert alleine nicht.
Auch wenn die Tafel dies verspricht.
Will ich mal überschwenglich sein,
hilfst einzig Du mir – Du allein.
Ja ich weiß, mit mir zu diskutieren
Ja ich weiß, mit mir zu diskutieren,
ist nicht immer reibungslos. Es macht
mir wahnsinnige Angst, Kontrolle zu verlieren,
ringend in der heißen Rede-Schlacht.
Drum kann es schon einmal passieren,
dass ich dich stoppe, nicht bedacht
dir in die Worte falle, dich verletze,
Deine Gründe blöde unterschätze.
Dass Du ad personam jetzt mir eine
fette Feige an die Ohren landest,
das, gewiss, gebührt mir eitlem Schweine!
Dir zu Füßen – dorthin, wo du standest,
stehst, und stehen wirst, auf Deinem Sockel,
kriech´ ich, räume reuig meine Stellung,
kühle mir – ich schwer gerupfter Gockel –
die von Deinem Hieb entstand´ne Schwellung
mit dem einzig lindernden Gedanken,
dass, auch wenn wir schon mal heftig zanken,
ich, nach angebrachten Überwintern
Deinen wunderschönen Hintern
streichle – irgendwann und einmal wieder.
Das entschädigt – und macht bieder.
Ich freunde mich nur schwer mit dem Gedanken
Ich freunde mich nur schwer mit dem Gedanken
an, dass Du in enger Sportlerkluft,
schweißnassem Leibes, schnaufend, Flanken
federnd, durch die Gassen rennst, die Luft
die giftige der Großstadt heftig einziehst,
und Gelenke Dir vernutzt. Und nur um
die von mir geliebten Pölster – Biest! -
dir kleiner da - und wegzuschuften, drum
beförd´re ich nicht auch noch jenes Treiben
da mit Beisein! Dass du´s gerne hättest,
weiss ich. Doch - wenn du dich frettest,
musst du das alleine tun. Es bleiben
dir - zu meiner Freude– da an Hüften
ja noch reichlich die Gewichte,
welche trotz dem Sich-Ertüchten
wieder wachsen. Das an der Geschichte
ist mir Trost, Behagen, stilles Glück.
Und ich kann warten. Stück um Stück
legt sich ja alles wieder drauf.
Drum Mädchen los jetzt - Lauf, lauf, lauf!
Gemein! – Doch Schatz,
Gemein! – Doch Schatz, ich konnt´ mir´s nicht verbieten.
Schwacher und in Dich vernarrter Mann
bin ich. Auch wenn Du mir jetzt die Leviten
liest, ich stahl durch deines Bildes Bann
Verzaubert, einen höchst privaten Blick
Dir, welcher da, durch eines Zufalls Treiben
sich mir jählings schenkte, welch´ ein Glück! -
Geleitet über zweier Spiegel Scheiben -
(Ja, Du hast sie aufgehängt! Selbst schuld!)
fiel mir Dein reizend´ Abbild in den Schoß.
Und einem Weidmann gleich, der mit Geduld
den Hirsch verfolgt, ganz plötzlich diesen groß
und herrlich in die Lichtung treten sieht,
erstarrte ich und ward nichts mehr als Auge,
harrend, was im Weiteren geschieht.
Und unbeobachtet dich meinend, hobst
den zarten Hügel Deines Busens Du
mit Deiner Hand und schicktest – ich sah zu -
dann einen Kussmund unverschämt ins Spiegelglas.
Wahrscheinlich bist Du mir jetzt gram.
Ich kann dich auch verstehn, - ein Kuss entkam,
Doch der, dem dieser Kuss, der hier entwich,
gehört, bild´ ich mir ein, bin nun mal ich.
Ja! – Ich bin hingerissen
Ja! – Ich bin hingerissen, und bestrickt
von Deiner blütenzarten Haut,
und wenn die rauen Finger ungeschickt
sie nur berühr´n und unerlaubt
entlang der Linien Deiner Lenden lodernd
nähern sich dem Heiligtum,
dann preise ich den Gott der Salben,
und seh´ ein, dass du sie allenthalben
cremst, und dass dies´ seiner Zeit bedarf.
Dass du – wie machst du´s? – an geheimsten Orten,
noch nach Blüten duftest, ist mit Worten
nicht zu fassen und ich Schwein entlarv´
nur wieder meine Ungeduld, mag sein.
Doch lieg´ ich hier schon lang allein
und harre deiner hier und hart,
ersehne deine Gegenwart.
Hab´ also Mitleid endlich, sei so nett!
Lass Deine Tiegel sein und komm ins Bett!
Die objektive Wirklichkeit der Teilchen
Die objektive Wirklichkeit der Teilchen
im Elementaren ist nicht mehr,
- nach Heisenberg! Und warte nur ein Weilchen
und die Dinger setzen sich zur Wehr,
und spucken fern und nah uns in die Suppe,
die wir diese mikrokosmisch kleine Truppe
unverschämt für eigentümlich halten.
In Behältern sie auch noch zu spalten,
in Beschleunigern perfide uns
erdreisten, sie im großen Kreis zu hetzen,
bloß für noch ein paar Erkenntnisfetzen,
denkend nicht der Folgen unsres Tuns.
Drum, eh die Eigentümlichen uns trennen,
wir in Wolken nuklear verbrennen,
Schatz, lass uns noch einmal richtig lieben!
Selbst wenn all dies ausgeblieben.
Was, wenn, wie Schopenhauer lehrt
Was, wenn, wie Schopenhauer lehrt,
Geschlechterliebe bloß der Arterhaltung
dient, der Kinderpflicht? Und wir, verkehrt
wie stets, ihre erwiesene Entfaltung
bloß für falsche Wirklichkeit erachten?
Leibeserben sollten uns genügen!
Ist erledigt doch! Und den durchwachten
Nächten, Weitere hinzuzufügen?
Dazu mangelt es uns klar am Wollen.
Behält der griesgrämige Schopenhauer
Recht, dann müsste, wohl mit eindrucksvollen
Erat demonstrandum doch die Dauer
unsrer Liebe enden, jetzt unweigerlich.
Konträr! Denn immer mehr noch lieb´ ich Dich.
Ich hab´ Klavier gelernt
Ich hab´ Klavier gelernt - „gelernt“
ist gut! Ich drücke leidlich in die Tasten,
Mustern folgend, weit entfernt
von Meisterschaft auf diesem Saitenkasten,
Quälte mich durch Schlüssel, Leitern,
Stunden üben. Können. Scheitern.
Alles doch zu einem Ende nur:
Dass folgend ich auf seiner Töne Schnur,
dies´ kleine Lied begleiten kann,
das süß in unsren Ohren klingend,
damals, als es mit uns zwei´n begann,
zur jung erblühten Liebe singend,
Hintergrund abgab zu unserm Glück.
Hat auch gedauert - Jahre! - doch ich drück´
Jetzt die Akkorde. Und Gesanges-Angst vertrieb ich:
„Hab´ ich Dir heute schon gesagt, ich lieb´ Dich“.
Wahrscheinlich werden wir, vom Wein benommen
Wahrscheinlich werden wir, vom Wein benommen,
schwer vor Müdigkeit in unsre Betten
fall´n – erschöpft, entkräftet und verschwommen
Wirklichkeit nur mehr erahnen, wetten?
Schuhe, Festgewand, ich seh´ uns vor mir
abgestreift, schwer atmend liegen da.
Die Kinder werden überdreht und kirr
nicht müde oder ruhig zu kriegen, ja
vielleicht noch Hunger haben, oder so was.
Und wir werden wissend Blicke
tauschen, lächeln, sie versorgen, froh, dass
alles hinter uns, und das Gezicke
heute nicht mehr stört, wir morgen schlafen
können, sicher angelangt im „Hafen“.
Fehlt dann eines nur. Hast du´s bedacht?
Ach ja! – Wie wär´s jetzt noch mit Hochzeitsnacht?
Eines blinden Seefahrers
Ich irre umher, ein verlorener Dosenbewohner
Ich irre umher, ein verlorener Dosenbewohner.
In fahlbeleuchteten Gassenschluchten
Mahle ich Zeichen an Wände
und hinterlasse Marken meiner Sehnsucht,
seesternfarben.
Deine Rufe fliegen vom Meer aus mir zu,
das schäumend aufpeitscht, wider den Strand.
Gleich einem milden Zephir
mich kosend
wirbeln Erinnerungen
wie Blätter mir an die Haut.
Mein gestiefeltes Chinakätzchen!
Mein gestiefeltes Chinakätzchen!
Leckst Du Dir das Maul
nach meinem eingesalzenem Fleisch?
Ich spiel´ auf Deinen Schnurrbarthaaren
Dir ein Lied. Dann kannst Du singen.
Noch Wochen wirst nach Thunfischduft
den Kopf Du Dir verdrehen, wenn hungrig
Du die blechig heißen Dächer abstreichst,
katerwund und mondverliebt.
Ward´ je aus Thunfisch Sushi hergestellt
Ward´ je aus Thunfisch Sushi hergestellt,
bin ich der Erste, der sich windend
um gekochten Reis auf Deine Tafel stiehlt.
Find´ ich auf diesem Weg noch Einlass in Dein Dosho.
Lehr´ mich die Bekanntschaft Deiner Zunge,
duftend-feucht in Deinem Hyazinten-Munde
und dann sing – mich schlingend – von den Schmerzen
Deiner salzig tiefen Wunde!
Nereiden-fingrig kräuseln
Nereiden-fingrig kräuseln
Glasgrüne Wellen die Haut mir.
Mich haltend in pfauenfarbener Flut
tauch´ ich am Rückenblatt eines Delphins
in Deine kochende Tiefe.
Vorbei an klaffend, doppelt gezähnten Schlünden,
Kraken mit brandrotschlingenden Gliedern
Und feuriger Lava aus gischtigem Urgrund,
durch tückische Wirbel, raffend den Schwimmer,
und Wolken von milchig sich breitenden Staub der Korallen,
Wehrend die grünbemähnte Quadriga Poseidons,
trotzend dem Dreizack.
So such´ ich, ein Blinder, den malvenfarbenen Stern
am Grund Deines Meeres.
Bist Du nicht ein Traumgebild?
Bist Du nicht ein Traumgebild?
Umschwirrst mit Tränentrug und Schmeichelworten
Die Seele mir, bis dass sie quillt
Und überläuft an allen Orten.
Holde Herrin der Delphine,
Seegestirn, Korallenpracht!
Wärst Du das Licht, das mild mir schiene
In meiner Augen finst´rer Nacht.
Lösch´ Deinen Überschwang in meinem Meer!
Lösch´ Deinen Überschwang in meinem Meer!
Denn kein Kanal ist Deiner würdig.
Auch wenn der weite Hellespont es wär´,
nur meine Brandung braust Dir ebenbürtig.
In meinen Wellen kühl´ die heißen Glieder,
die Nachtflut wiegt Dich still und klar,
Nejaden singen leise Muschellieder
Und die Delphine tauchen Dir ins Haar.
Die Augen blend´ ich mir ob Deiner Schönheit,
Die Verse ruf´ ich achtlos in den Wind.
Sind Tränen Trug oder die Wahrheit?
Du liebst die Sehenden und ich bin blind.
Der Dichter und die Magenkranke
In eines Turmes hoher Kammer
In eines Turmes hoher Kammer
Mit Treppen steil aus glattem Stein
Bläst auf der Flöte seinen Jammer
Ein kragenkrankes Dichterlein.
Da weht durchs Fenster, klar und hell,
streichelnd sanft sein Trommelfell,
ein zweiter Ton bis an sein Bett
und ladet lieblich zum Duett.
Der Dichter vom Bett auferstand
Und durch der Terzen holdes Band
Verschlungen fliegen Hand in Hand
Der Flöten zwei über die Land.
Was jetzt noch fehlt zum Glücklichsein
„Was jetzt noch fehlt zum Glücklichsein“,
so denkt das wunde Dichterlein,
„wär´ Nachlass von der Kragenpein
Und ein kleines Stelldichein!“
Doch kaum gedacht, verläßt ihn schon
Der Mut auf seinem Heldenthron.
Es schießt ihm plötzlich siedend ein:
Was hilft ein herzend´ Mägdlein,
wenn er selbst für den kleinsten Kuß
die Treppe wieder runter muß.
Es war einmal ein Mäglein klein
Es war einmal ein Mäglein klein,
das wollte auch besungen sein.
Es dacht´ bei sich „wär´ doch gelacht,
wenn man mir keine Reime macht!“
So ließ es all sein Inn´res raus
In einem steilen Treppenhaus.
Ein Dichter, der dies übersah,
glitt aus und brach den Hals beinah.
Jetzt trägt er ein steif´ Krägelchen
Und dichtet brav dem Mägelchen.
Drum solltest Du Dich plagen,
verherrlichst Du den Magen.
Westliche Ode an einen verstimmten Magen
Selbst Deine Säuren sind mir süß und lieblich,
und Deiner schweren Arbeit zolle ich Respekt.
Dein Rülpsen war wohl unaufschieblich,
wenn man soviel Rumkokos leckt.
Du revoltierst und leerst Dein Inn´res
Nach oben statt nach unten aus.
Mein Äuglein, zwar es gibt kein bind´res,
Blickt mild auf den hervorgebrachten Schmaus.
Ist Dein empfindsames Gedärm im Aufruhr
Ist Dein empfindsames Gedärm im Aufruhr wider
Deinen edlen Geist, so daß erneut das Siechbett
Du besiedelst und die Fiebervögel über
Deinem Lager kreisen?
Mit meinen Versen scheuch´ ich das gemein´ Gefieder
Und blas´ Dir Kühlung auf die schweißumflorte Stirn,
Mit lieben Worten küss´ ich sanft Dir allen Schorf
Von Deinen Lippen und schmecke süßlich die Kamille,
wenn sie im Frühjahr ihren Staub über die
geweihten Haine streut.
Das Brückchen
Flieht spurlos Dich der Schlaf auf flinkem Fuße?
Flieht spurlos Dich der Schlaf auf flinkem Fuße?
Tropft Dir die Nacht mit roten Träumen aus dem Haar?
Stiehlt Dir der Tag auf seinen Krücken jede Muße?
Dann denk´ dran, wie berückend zauberisch es war.
Mein Schlaf ist hold und fett von sehnsühtigen Träumen,
belebt von Augen, Mündchen, die ich zärtlich küsstee.
Flötenwälder, die sich längs der Brücke säumen,
Singen süß mir von den roten Kirschen Deiner Brüste.
Sie küssten sich in einem fort
Sie küssten sich in einem fort,
eins flog dann nach Westen.
Das andre blieb am selben Ort
Und konnt´ es nicht vergessen.
Ach du liebes Brückchen,
Dank Dir reim´ ich auf Krückchen.
Der Mund nicht ganz derselbe ist,
wenn er mal reimt und wenn er küsst.
Zwei Hälften, streng durch einen Fluß getrennt
Zwei Hälften, streng durch einen Fluß getrennt,
von einem nächtlich eingehüllten Land,
eine vertraut, die andre fremd,
ein Brückchen aneinander band.
Nach langem Träumen aufgewacht,
trug sich all dies´ tatsächlich zu?
Daß sich in duftend lauer Sommernacht
Zwei Flöten zärtlich, ganz auf du und du
Nach langem Flug und holdem Singen
Just an diesem Ort verfingen.
Drei Zaubersprüche zum Abschied
Auch wenn ich nicht mehr bei Dir bin
Auch wenn ich nicht mehr bei Dir bin,
Und die Erinnerungen schon verblassen,
Tränen trocknen und des Lebens Sinn
Dir wiederkehrt und Du mich losgelassen,
Schlag dies´ Büchlein auf,
Und denk´ an mich. Dann lächle drauf,
Streich´ unsren Enkeln übers Haar
Und leb´ noch über hundert Jahr.
Erheb´ ein Glas, wenn sich´s ergibt,
nur wisse fest –
Ich habe Dich geliebt.
G.
Die Tränen salzen mir die Wangen
Die Tränen salzen mir die Wangen
Und alle Welt ist nun verkehrt.
Was hilft das zärtlichste Verlangen
Jetzt, wo sie in die Grube fährt?
Einst liebt´ ich Deinen Rosenmund,
die Veilchenlider, Lilienarme.
Ich tu´ es allen Göttern kund,
Oh, dass sich einer doch erbarme.
Es ist doch gar nicht lange her
Es ist doch gar nicht lange her,
dass wir im lauen Junimond uns fanden.
Und wir betört im heit´rem Klange der
Schalmeien uns innig aneinander banden.
Ein Beben zittert über meine Haut,
Und meine Blätter wehen wund zu Dir.
Ein später Sommertag, vertraut.
Wie lange noch, dass ich Dich doch verlier?